Gedenkveranstaltung zum Todesmarsch der KZ-Häftlinge Dachau vor 76 Jahren

03. Mai 2021

Am 02. Mai 1945 lagerten ausgemergelte Häftlinge aus dem KZ Dachau in einem Waldstück in Waakirchen, wo sie nach einem unmenschlichen Gewaltmarsch mit Start in Dachau über Wolfratshausen rasteten. Diese Häftlinge waren in den letzten Tagen des Zweiten Weltkrieges von ihren Wachleuten zu einer sinnlosen Odyssee mit zahlreichen Toten von ihren Nazi-Bewachern gezwungen worden. Schließlich haben GIs die Geschundenen vor Ort versorgt und ihnen zu ihrer Freiheit verholfen.

Am 02. Mai 2021 gedachten die SPD-Bürgermeister Michael Falkenhahn und Robert Kühn, die Ortsvereinsvorsitzenden von Waakirchen und Gmund, Hans Hartwich und Johann Schmid, die Juso-Sprecherin Annemarie Spahmann und Hannes Gräbner, SPD-Bundestagskandidat vor Ort der Ereignisse. Alle Beteiligten wollten ein Zeichen setzen und nahmen an der Gedenkveranstaltung zum Todesmarsch der KZ-Häftlinge teil, die von den Senioren der Linken Miesbach organisiert wurde. Am Denkmal für die Häftlinge wurde ein Kranz niedergelegt und mit einer Schweigeminute der Opfer gedacht.

Einer der Initiatoren, Otto Scheda, berichtete als Zeitzeuge über seine Erlebnisse zur NS-Zeit in der Nähe von Hannover, die ihn bis heute verfolgen – während seiner Rede stockt seine Stimme und er ist den Tränen nah. Er hatte als Siebenjähriger eine Begegnung mit Zwangsarbeitern des KZ Dahlem, als er verbotenerweise mit einem Freund die unterirdischen Stollen erkundete. Darin schufteten Zwangsarbeiter für kriegswichtige Werke wie die Firma Continental. „Wir standen plötzlich vor einem Gitter, dahinter arbeiteten die Zwangsarbeiter. Sie streckten ihre dünnen Arme durch das Gitter und bettelten um Brot. Wir kehrten mit Brot zurück – und wurden prompt erwischt. Uns wurde verboten „Volksschädlinge zu füttern“. Nach der Befreiung kehrte Scheda heimlich wieder zu dem Konzentrationslager zurück und er sah Berge von Toten auf Pferdefuhrwerken. Das Bild lässt ihn bis heute nicht los.

Sein Appell: „Bitte berichtet den Kindern und Jugendlichen immer wieder von diesen unmenschlichen und unwürdigen Verbrechen an friedliebenden Menschen, die vom Rassenhass des Nazi-Regimes durch Pein und Tod zu Opfern wurden. So etwas darf nie, nie, nie mehr geschehen!“

Dem Filmemacher Max Kronawitter ist es gelungen, den Marsch der Häftlinge eindrucksvoll in seinem Dokumentarfilm gelungen. Der Zug tausender ausgemergelter und von Hunger gezeichneter Menschen ist den Leuten in den Ortschaften, durch die sie kamen, nicht verborgen geblieben. Einige haben unter Gefahr für Leib und Leben versucht zu helfen. Viele haben geschwiegen und nichts getan.

Für uns Sozialdemokrat*innen gehört es zum Selbstverständnis, dafür zu sorgen, sich dem menschenfeindlichen Gedankengut entgegenzustellen, das Deutschland damals in die Barbarei geführt hat. Wir dürfen nie aufhören, uns die Gräueltaten der Nazis und das Leid der Menschen in dieser Zeit in Erinnerung zu rufen! Nur so können wir in einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft leben, die diese Bezeichnung auch verdient.

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